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"NEGER", "FIDSCHIS" UND DIE HEUCHELEI DER LINKEN

Die DDR-Bürger misstrauten Normabweichungen. Und die SED bereitete den Nährboden für Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Im Jahre 1993 füllte der Bundesvorsitzende der Republikaner, Franz Schönhuber, die zu dieser Zeit dünne westliche Personaldecke seiner Partei mit Kadern aus dem Osten auf. Für besonders förderungswürdig aber hielt er einen Professor, der zuvor langjähriges SED-Mitglied und Leiter des Bereiches Soziologie an der Sektion Wissenschaftlicher Kommunismus der Karl-Marx-Universität Leipzig war. Dieser wurde sächsischer Landesvorsitzender der rechtsradikalen Republikaner. Im Juni 1993 stand ein Parteitag in Augsburg an und mit ihm ein „Akt der nationalen Versöhnung“. Dementsprechend schwärmt der Parteichef von der DDR. Mal fand er: „Die DDR war viel deutscher als die Bundesrepublik. Hier herrschte noch Familiensinn und nicht diese Ellbogengesellschaft.“ Mal lobte er den „ordentlichen Stechschritt“ in der DDR, mal deren „weitgehende Ausländerfreiheit“. Diese Sichtweise teilte Schönhuber mit etlichen Bürgern der verblichenen DDR und vielen sozialistischen Genossen. Zangengriff für die Minderheit von Ausländern Dabei hatte Schönhuber noch gar nicht realisiert, was diese Genossen im Osten noch alles auf der Pfanne hatten: Einen über 40 Jahre gepflegten Antisemitismus sowie einen Zangengriff für die extreme Minderheit von Ausländern, die sich vorübergehend in der abgeschotteten DDR aufhalten durften. Denn es herrschte nach der millionenfachen Flucht von DDR-Bürgern ein solch permanenter Arbeitskräftemangel, dass die sozialistische Führung sich Ende der 70er-Jahre schweren Herzens entschloss, Kontingente von Vietnamesen und Mosambikanern hereinzulassen – für jeweils drei Jahre, dann wurden sie gegen die nächsten ausgetauscht. Dem Westen in die Schuhe geschoben „Fidschis und Mozis“ aber waren in abgesonderten Wohntrakts untergebracht, die offiziellen Gaststätten waren ihnen verwehrt. Sie durften die Stadt nicht ohne Genehmigung verlassen, mussten in den Betrieben niedere Arbeiten verrichten und sollten gar nicht erst Deutsch lernen. Vor allem – und das lässt jeden Rechtsradikalen noch immer jubeln – standen ihre Frauen unter Abtreibungszwang. Gibt es ein rechtsradikaleres Programm? Die, die solches praktizierten, spielen heute Die Linke. Und schoben schon kurz nach dem Mauerfall dem Westen ihre eigenen praktizierten Miesheiten in die Schuhe. Auf Platz acht der Mordliste der Neonazis Denn Rechtsradikalismus brach sich nun ungehindert Bahn. Im September 1990 veröffentlichte ich in der „Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung“ meinen Essay über Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit, den ich in tiefen DDR-Zeiten verfasst hatte. Das brachte mir Platz acht auf der Mordliste der DDR-Neonazis ein, wie mir ein Aussteiger Jahre später eingestand. Ich hatte geschrieben, was in unserem durchorganisierten deutschen Blockwartsystem so passierte, als die „BRD“ im Osten noch gar nicht präsent war. Mit Flaschenhälsen auf Punker eingestochen Ich schrieb von den Vietnamesinnen und meiner alten jüdischen Freundin Johanna, die den Nazi, der sie 1935 vergewaltigt und in die Elbe gestoßen hatte, nun als Parteisekretär der SED vor sich sitzen sah. Ich schrieb von unserem kleinen antirassistischen Theaterstück, das ich 1986 mit zwei Berliner Jugendlichen einstudiert hatte, die aus einer deutsch-sudanesischen Studentenliaison hervorgegangen waren. Die Jungen wuchsen als „Nigger“ und „Kohle“ auf und mussten schließlich in eine Armeesondereinheit gesteckt werden, damit sie die NVA heil überstanden. Auch dieses Theaterstück studierten wir zu einer Zeit ein, da der antifaschistische Schutzwall uns noch vor den West-Nazis schützte. In plastischer Erinnerung stand mir jene Fascho-Horde, die im Oktober 1987 mit „Sieg Heil!“ und „Juden raus aus deutschen Kirchen!“ die Nachbarskirche überfallen und dort mit Flaschenhälsen auf fliehende Punker eingestochen hatte. Ein Jahr zuvor hatte ich mit ein paar Freunden Unterschriften gesammelt, um das Plattwalzen des jüdischen Friedhofs Berlin-Weißensee zu verhindern. Wegen dunkler Haare als "Judenfotze" ausgemacht „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“, schrieb ich 1990, „und haben Bilanz zu ziehen, die Bilanz einer unglaubwürdigen Gesellschaft. Im Jahr 1990 herrscht in den Städten der zerfallenden DDR ein Klima offener Gewalt.“ Kurz zuvor musste ich aus einem leeren S-Bahn-Abteil in Richtung Fahrerhäuschen fliehen, weil mich ein Pulk mit Springerstiefeln und Bomberjacken aufgrund meiner dunklen Haare als „Judenfotze“ ausgemacht hatte. In Sicherheit wähnte ich mich erst, als ich West-Berliner Gebiet erreichte. Niemals hätte ich von einem Ost-Berliner Polizisten erwartet, geschützt zu werden. Welt
22.11.11 21:26


Wolf Biermann wird 75

In der Biografie des Liedermachers Wolf Biermann spiegelt sich die deutsch-deutsche Geschichte beispielhaft. Vor 35 Jahren wurde Biermann aus der DDR ausgebürgert, am heutigen Dienstag wird er 75 Jahre alt.

Heute, hierzulande, nennt man solche Haltung „alternativlos“; damals, drüben, war sie noch nicht linientreu genug: Im ersten Vers des ersten Lieds, damals, im Oktober 1976 in der Kölner Sporthalle, ging Wolf Biermann seiner DDR noch fast ums Maul: „So oder so die Erde wird rot.“ So ging der erste Vers im ersten Lied des legendären Konzerts. Das klang nur nach Alternativen, denn die zweite, „totrot“, war gar keine. Es gab nur „lebensrot“ als Möglichkeit. Es half ihm nichts: Er wurde ausgebürgert.

Es klingt paradox, vor allem wenn man weiß, wie sehr den Sozialisten Biermann damals dieser Rauswurf traf: Aber damals war er auf dem Höhepunkt seiner politischen Wirkung und, da er erstmals auch ein zeitgleich vorhandenes Publikum hatte, das nach Tausenden zählte, auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Von da an ging’s bergab. Erst mit der DDR, die nach den letzten Konvulsionen totenbleich dahinschied, dann mit dem Rest des Ostblocks, schließlich mit dem Rest der alten Welt.


Den Westteil Deutschlands hatte Biermann als Siebzehnjähriger verlassen, um nach dem Schulabschluss im Osten weiterzumachen, weil es, so seine Hoffnung, dort weiter gehen würde als im Westen. Nun bot ihm dieser Westen immerhin Asyl, Heinrich Böll stand ihm bei, wohnen konnte er bei Günter Wallraff. Politisch wie als Künstler blieb er lange unbehaust. Inzwischen wohnt er in Hamburg, der Stadt seiner Geburt. Seit 2007 ist er Ehrenbürger seiner einstigen Wahlheimat Berlin. Der Name seiner alten „Chausseestraße“, seit 1968 auch mit der Hausnummer bekannt als Titel einer Langspielplatte, würdigte schon damals heimlich das Transitorische jeder linken Existenz, als sänge er: Wir sind nur Gast auf Erden. Machen wir das Beste draus!

Nach einem früheren Gastspiel im Westen, 1965 beim Kabarett-Kollegen Wolfgang Neuss, hatte der Dichter und Sänger, der sich in Anlehnung an Brechts „Stücke-Schreiber“ Liedermacher nannte, im Osten Deutschlands Auftritts- und Publikationsverbot.
Nordbayern
18.11.11 13:28


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