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Kidnapping per Gesetz

Zwangsadoption in der DDR:

Zwei Jahre nach dem Fall der Mauer kommt eines der dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte ans Licht. In Zeitungspapiereingewickelte Schriftstücke aus den Archivkellern des Bezirksamtes Berlin-Mitte beweisen, was Ost- und Westpolitikerjahrelang geleugnet hatten: In der DDR wurden Kinder auf Veranlassung des Staates, ohne Einwilligung derleiblichen Eltern, zwangsadoptiert. Das Thema warkeinesfalls neu.Bereits 1975 berichteteder„Spiegel” überdie Praxis der gewaltsamen Familientrennung„wegen RepublikFllcht verurteilter und vonder Bundesrepublik freigekaufterEltern”. Die Veröffentlichungführte zu einem Eklat,der die innerdeutschen Beziehungenschwer belastete. DerSpiegel-Korrespondent in Ost-Berlin wurdeausgewiesen, der ständige Vertreter derDDR in Bonn kurzfristig vor seinem Antrittsbesuchausgeladen. Helmut Schmidtsah die Unterzeichnung des Verkehrsabkommensmit der DDR schwinden, dieDDR sprach von einer „groß angelegtenHetzkampagne”. Die 16 Jahre später in Berlin gefundenenAktenordner belegen detaillierte Schicksale.In mehreren Fällen wurde von 1971 bis1974 Eltern aus politischen Gründen,meist unter dem Vorwurf der Republik-?ucht oder der Spionage, das Sorgerechtfür ihre Kinder entzogen. Hauptverantwortlich:die damalige Ministerin fürVolksbildung Margot Honecker. In derDDR eine mächtige Frau. Das mussteauch Petra Köhler erfahren. Mit den Lebensumständen in der DDRunzufrieden, rebelliert sie, versucht, dieDDR auf legalem Weg zu verlassen, stelltmehrere Ausreiseanträge. Und gerät dadurchins Visier des Staatssicherheitsdienstes.Petra Köhler wird mehrfach vorgeladen,soll die Antragsstellung unterlassen.Belehrungen. Drohungen. Die Stasiweist der jungen Mutter eine Altbauwohnungzu, ohne Bad, an den Wändenwächst der Schimmel. Als sie sich beschwertund den Gang an die Wahlurneverweigert, lernt sie eine der per?denStasimethoden, die so genannte „Assi-FalleStufe 1”, kennen: Ihr werden alle Rechteder DDR aberkannt, sie verliert ihrenJob und darf nur noch das machen, wasdie Abteilung Inneres des Kreises Gera ihrzuweist. In ihrem Fall: Kartons kleben. Die „Assi-Falle” ist auch für Uwe Hilmervon der Forschungs- und GedenkstätteNormannenstrasse kein Fremdwort: „Dasviel gerühmte Recht auf Arbeit hatte aucheine dunkle Seite – die Verp?ichtung zurArbeit. Wenn jemand aus seinem Berufentfernt wurde, dann war es für ihn wichtig,dass er so schnell wie möglich wiederArbeit fand. Ansonsten hätteunterstellt werden können,dass er asozial lebte. Und Asozialehatten natürlich auchdas Recht zur Erziehung ihrerKinder verwirkt. War esso weit, begannen die Mühlendes Apparates zu mahlen.” Im Fall Petra Köhler mahlensie besonders gründlich. Dasie sich gegen die „Diktaturdes Proletariats” wehrt, greiftStufe II der „Assi-Falle”. Im Februar 1981wird ihr, veranlasst durch den Staat, in derKinderkrippe Gera ihr Sohn weggenommen.Über die Mauer der Krippe hinwegversucht sie Kontakt mit Enrico aufzunehmen.Eine Kindergärtnerin entdeckt sie,informiert die Stasi. „15 Minuten späterhaben sie mich geholt.” Die 21-Jährigekommt ins Geraer Stasigefängnis. Manverbietet ihr, sich noch einmal in die Näheder Kindereinrichtung zu begeben, mandroht mit Gefängnis, schlägt und tritt sie,auch in den Unterleib. „Das Kinderkriegenwürden sie mir austreiben, haben siegesagt.” Als Petra 1984 ihren zweitenSohn Sven bekommt, erscheinen zweiStasibeamte auf der Entbindungsstation.Sie sprechen eine deutliche Drohung aus:„Wenn ich mich dem Staat nicht beugenwürde, dann sei er der Nächste.” Aus Angst, auch ihren zweiten Sohn zuverlieren, zieht sie sich zurück. Sie verhältsich still, bekommt im Laufe der Jahrenoch zwei Mädchen, Jeanetteund Jaris. Enrico sieht sie niewieder. Kein Fluchtversuch,kein illegaler Grenzübertritt –im Gegensatz zu vielen anderenhatte sie lediglich versucht,die DDR auf legalem Weg zuverlassen. Der Fall von Petra Köhler istkeine Ausnahme. „Mir persönlichsind mehrere Fälle bekannt”,bestätigt Uwe Hilmer.„Ich glaube, ich begebe michnicht auf unsicheres Gebiet,wenn ich sage, dass es wohl einigehundert Fälle gewesensind.” Anfang der 90er Jahre wird inBerlin eine Clearingstelle eingerichtet,um diese Adoptionsfällezu überprüfen. Anlaufstelleauch für Petra Köhler.Nach der Wende nimmt sie dieSuche nach ihrem Sohn wiederauf. Doch sie kommt nichtweit. Auf dem Jugendamt Geraarbeitet noch dieselbe Mitarbeiterinwie zu DDR-Zeiten.„Dahin bin ich dann nichtmehr gegangen, weil die Frau,die in die Adoptionssache verwickeltwar, dort noch gearbeitethat. Da hätte ich mich nichtunter Kontrolle gehabt. Diehatte mir mein Kind weggenommen!” 2003 ist die Betreffende nichtmehr im Jugendamt tätig.Jetzt leitet Petra Köhler erneutdie Suche nach Sohn Enricoein. In einem Brief schreibt sieihm, dass sie seine leiblicheMutter sei. Nach geltendemAdoptionsrecht darf sie nichtin direkten Kontakt mit ihmtreten, das Jugendamt soll den Brief weiterleiten.Doch der größte Schock stehtnoch bevor. Petra Köhler soll schriftlich indie Adoption ihres Kindes eingewilligt haben.„Im Gefängnis haben sie mir Tablettengegeben. Mir fehlen einige Stundenmeines Lebens …” Sie beantragt Akteneinsicht.Und tatsächlich wird Petra Köhlerdie Einwilligung in die Adoption vorgelegt.Unterschrieben mit ihrem MädchennamenHartmann. „Man hatte mirmal im Gefängnis mehrere Dokumenteübern Tisch geschoben, aber die hab ichnicht unterschrieben, das weiß ich ganzgenau.” Für Hilmer ist es durchaus denkbar, dassDokumente gefälscht wurden. „Andererseitsbesteht aber auch die Möglichkeit,dass man sie in eine Situation gebrachthat, in der sie keine andere Möglichkeitmehr gesehen hat als zu unterzeichnen,um dieser Situation zu entkommen.” Erst vor einigen Monaten erfährtPetra Köhler, warum ihrdas Kind weggenommen wurde.Ausreiseanträge an sich warennicht strafbar. Stattdessenwird ihr alles, was sie selbst kritisierthatte, als Schuld angelastet.Ihre damalige schimmligeWohnung, die der Staat ihrzugeteilt hatte, ihre Arbeitslosigkeit,nachdem der Staat ihrden Beruf aberkannt hatte.„Asozial” lautete der Vorwurf,der dem Staat das Recht einräumte,auf Paragraph 249 desStrafgesetzbuchs zurückzugreifen:legitimierter Kindesentzug. Wochen später hatte das Jugendamtden Brief an Enriconoch immer nicht weitergeleitet.Nur die Adoptionsakte liegtihr nun als Kopie vor. Schlüsselfigur in SachenZwangsadoption war MargotHonecker. Doch direkte Anweisungenvon ihr an die Jugendhilfenlassen sich nichtnachweisen. Unbehelligt reistsie 1992 nach Chile aus. Auchder Leiter der Jugendhilfe imVolksbildungsministerium,Eberhard Mannschatz, ist zukeiner Stellungnahme bereit.Er erklärt lediglich: Zwangsadoptionenhabe es in der DDRnicht gegeben. Keiner der Verantwortlichenwird nach der Wende vor Gerichtgestellt. Im Einigungsvertragist das DDR-Recht anerkanntworden, die Täter habendemnach keine Gesetze gebrochen.Mit Ausnahme der Todesschüssean der Mauer. Siewerden als schwere Menschenrechtsverletzunggewertet. Zwangsadoptionennicht. Laut gültigem BGB ist auch heutenoch die Entziehung des Sorgerechts bei„staatsfeindlicher Beein?ussung” möglich.Bisher gibt es aber kein einziges Urteil,das ein Kind aus diesen Gründen inöffentliche Obhut brachte. Enrico heißt jetzt Florian, ist in Sachsenaufgewachsen und lebt jetzt in Bayern.Nach 22 Jahren haben sich Mutter undSohn, nachdem ihr Brief endlich weitergeleitetwurde, bisher erst zweimal gesehen.Das Zusammenwachsen ist schwierig.Die DDR hat sie getrennt. Petra Köhler istheute Mutter von vier Kindern und lebt inder Nähe von Leipzig. MÜTTER OHNE KINDER
Kindesentzug in der DDR
25. Dezember 2003, 19 Uhr
MDR FERNSEHEN Quelle
http://www.mdr.de/DL/1074217.pdf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




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